
Zum Europäischen Datenschutztag
Vor zehn Jahren, im April 2016, wurde die Datenschutz-Grundverordnung verabschiedet. Seit Mai 2018 gilt sie unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Ihr Kern ist klar: Menschen sollen wissen, was mit ihren Daten passiert. Sie sollen Einfluss darauf nehmen können. Aus dieser Perspektive ergeben sich starke Rechte, etwa das Recht auf Auskunft oder Löschung. Begleitet wird das seit Beginn von Kritik – teils an der Breite dieser Rechte, teils an zusätzlicher Bürokratie. Vieles davon ist nachvollziehbar, denn neue Anforderungen bringen Aufwand mit sich. Gleichzeitig sind die Rechte kein Selbstzweck: Sie schaffen Transparenz und Vertrauen, gerade im Arbeitsalltag und in Kundenbeziehungen.
Aktuell wird auf EU- und Bundesebene an verschiedenen Stellen über Anpassungen diskutiert. EU-weit geht es unter anderem darum, das Tracking im Web einfacher zu gestalten – Cookie Banner etwa sollen reduziert werden. Für Nutzer würde dies eine Verschiebung vom Opt-in zum Opt-out bedeuten: Cookies würden standardmäßig gesetzt und Betroffene müssten nachträglich widersprechen, anstatt vorab zuzustimmen.
Die Kunst besteht auch im Datenschutz darin, die Komplexität zu reduzieren – ohne die Substanz zu schwächen. Eine Reduzierung der Rechte der Betroffenen wäre aus Sicht eines wirksamen Grundrechtsschutzes keine gute Entwicklung.
Der Blick nach vorn bleibt dabei wichtig: Datenschutz wird in Zukunft eher relevanter werden. Mit der zunehmenden Nutzung von KI ändern sich Fragen und Prioritäten, etwa rund um Trainingsdaten, Datenminimierung oder den Umgang mit automatisch erzeugten Inhalten. Die Kontrolle soll aber bei den betroffenen Personen, bei jedem bleiben. Für die Praxis bedeutet das vor allem, informiert zu bleiben und Lösungen frühzeitig so zu gestalten, dass sie für Menschen nachvollziehbar und respektvoll sind.
Der Europäische Datenschutztag ist mehr als ein Kalendereintrag: Er erinnert daran, dass Datenschutz ein grundlegendes Menschenrecht ist, das kontinuierliche Aufmerksamkeit und Engagement erfordert, um die Privatsphäre und die digitalen Rechte aller zu schützen und zu stärken.
